Es beginnt meist mit dem Grundschulalter. Leider gibt es immer wieder Fälle, in denen Jungen oder Mädchen von Mobbingattacken betroffen sind und unter den Folgen zu leiden haben. Doch wo beginnt eigentlich Mobbingverhalten und wie kann man sich dagegen wehren?

Was ist Mobbing?

Wenn von Mobbingverhalten gesprochen wird, dann ist dies eine Verhaltensweise, die über das natürliche Konfliktverhalten und Streitigkeiten hinausgeht. Es handelt sich hierbei um einen gezielten Angriff, der sich gegen eine bestimmte Person richtet. Dabei können die Übeltäter sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen sein. Die Schikanen werden darüber hinaus in der Regel über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Die Angriffe können ganz unterschiedlicher Natur sein. Es geht über Hänseleien und Ausgrenzung beim Spielen bis hin zu körperlichen Attacken. Oft kommt es zu Beleidigungen oder es werden persönliche Sachen des Opfers beschädigt. Grundsätzlich unterschieden wird zwischen dem verbalen und dem physischen Mobbing. Beides sind Formen des direkten Mobbings. Bei der indirekten Variante geht es mehr um Ausgrenzung und Rufschädigung. Es gibt Täter, die gezielt mit den Schikanen beginnen. Andere Mitschüler steigen dann häufig mit ein. Oft bleiben die Angriffe für lange Zeit ohne Widerstand. Mitschüler haben häufig Angst, selbst zur Zielscheibe zu werden. Seltener haben Klassenkameraden die Courage, das Opfer zu verteidigen. Das Mobbingopfer selbst ist meist völlig unschuldig an seiner Situation. Allerdings gibt es Persönlichkeiten, die anfälliger für diese Form der Ausgrenzung sind. So ist es für Täter leichter, sich Mitschüler zu suchen, die eher schüchtern sind und unter einem niedrigen Selbstwertgefühl leiden. Auch äußerliche Makel oder Andersartigkeiten verleiten die Angreifer schnell dazu, das besagte Kind zu mobben. Der betroffene Schüler wird als Weichei und Verlierer hingestellt und immer weiter in diese Position gedrängt.
Die Entwicklung teilt sich in drei unterschiedliche Prozessphasen auf. So beginnt alles mit dem sogenannten Explorationsstadium. Hier geht es darum, sich ein geeignetes Kind auszusuchen oder generell gegen verschiedene Mitschüler zu sticheln. Im anschließenden Konsolidierungsstadium werden die Attacken systematisch. Spätestens an diesem Punkt sollte man einschreiten, damit das Ganze nicht in der letzten Stufe, dem Manifestationsstadium landet. In diesem manifestiert sich die Opferrolle und der oder die Gemoppte wird völlig aus der Klassengemeinschaft isoliert.

Die Ursachen

Das konsequente Attackieren und Isolieren eines Mitschülers erstreckt sich über alle Altersstufen, Schichten, Bildungsgrade und auch Schulformen. Ursächlich kann zum einen ein gestörtes Klassenklima sein. Meist liegen die Auslöser aber auch im Übeltäter selbst begründet. Dabei ist es nicht selten, dass der Angreifer selbst unter einem geringen Selbstwertgefühl leidet und versucht, sich über die Ausgrenzung eines Mitschülers in den Vordergrund zu rücken und seine Position in der Klasse zu stärken. Dies wird ihm auch gelingen, solange das Opfer sich nicht wehrt. Weitere mögliche Ursachen sind Langeweile, Wut, Neid, Unzufriedenheit oder auch eine niedrige Konfliktfähigkeit. Auch können die Impulse im persönlichen und familiären Umfeld liegen. Hierbei werden häusliche Probleme in der Schule weitergegeben und projiziert.

Welche Warnsignale gibt es?

Meist dauert es eine Zeit, bis Lehrern, Eltern oder auch Mitschülern auffällt, dass ein Schüler gemobbt wird. Dies liegt in der Regel daran, dass viele Attacken nicht öffentlich stattfinden sondern dann, wenn sich die Täter unbeobachtet fühlen. Hinzu kommt, dass gemoppte Schüler selten nach Hilfe fragen. Dies liegt zum einen daran, dass sie natürlich extrem verunsichert sind und zum Teil auch große Angst haben. Viele gemoppte Kinder geben sich auch selbst die Schuld. Zum Teil fehlt aber auch das Vertrauen zu den Bezugspersonen. Es gibt aber verschiedene Alarmsignale, an denen man erkennen kann, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. So reagieren gehänselte Schüler häufig mit Rückzug und Isolation. Sie werden immer verschlossener und wirken häufig niedergeschlagen und passiv. Auch können die schulischen Leistungen abfallen. Zum Teil bemerkt man bei den betroffenen Jungen oder Mädchen aber auch häufiger Verletzungen, für die es keine sinnvollen Erklärungen gibt.

Folgen für Mobbingopfer

Egal ob Junge oder Mädchen – wer ständig einer solch belastenden Situation ausgesetzt ist, der entwickelt schnell sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden. Typische Symptome sind neben Bauch- und Kopfschmerzen auch Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Die Laune verschlechtert sich und das Kind wirkt zunehmend verunsichert. Auch das Selbstbewusstsein nimmt Schaden. In extremen Fällen können die Auswirkungen so gravierend sein, dass sich Suizidgedanken entwickeln oder sich die Kleinen selbst Verletzungen zufügen.

Welche Hilfe gibt es für Mobbingopfer?

Wird erkannt, dass ein Kind systematisch gemobbt wird, so ist es sowohl an den Eltern als auch an den Lehrkräften, schnellstmöglich einzugreifen und das Verhalten zu stoppen. Eltern haben in diesem Punkt die Aufgabe, ihr Kind von zu Hause aus bestmöglich zu stärken. Dabei sollte man vor allen Dingen an dem Selbstbewusstsein des Kindes arbeiten und dieses aufbauen. Es ist wichtig, seinem Kind zuzuhören und Dinge zu hinterfragen. Man sollte aufmerksam sein gegenüber kleinsten Veränderungen und Auffälligkeiten. Die gemoppten Schüler müssen das Gefühl haben, sich ihren Eltern anvertrauen zu können. Darüber hinaus ist es nun angezeigt, den Schuldigen ausfindig zu machen. Das Kind sollte darin bestärkt werden, sich auch seinem Klassenlehrer anzuvertrauen. Eltern können hier natürlich unterstützend zur Seite stehen. In jedem Fall sollten sich Eltern selbst mit dem Lehrer oder der Lehrerin in Verbindung setzen und das Gespräch suchen. Darüber hinaus kann ein Schulpsychologe die gesamte Phase begleiten und gezielte Maßnahmen einstreuen. An dem Schulpsychologen ist es, mit den Eltern eng zusammen zu arbeiten und präventive Maßnahmen für die gesamte Schule zu entwickeln. Insgesamt sollte versucht werden, den Klassenzusammenhalt wieder zu stärken, um das Ungleichgewicht aufzuheben.

Aber auch das gemoppte Kind darf nicht untätig bleiben. Es sollte in einem Coaching und Spielen lernen, sich zu wehren. Angriffe kann man am besten abwehren, indem man sich dem Übeltäter entgegensetzt und ihn direkt anspricht. Man sollte nicht zeigen, dass einen die Angriffe betroffen machen und sie ihre Wirkung zeigen. Zudem gibt es die Möglichkeit, zu Hause ein Coaching durchzuführen und konkrete Situationen durchzuspielen und so Handlungsstrategien zu entwickeln und Gegenmaßnahmen zu lernen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der soziale Rückhalt. Mobbingopfer sollten daher versuchen neue Freunde zu finden, welche ihnen Halt geben und sich im Ernstfall hinter sie stellen. Mit festen sozialen Kontakten fällt man zudem automatisch aus der Rolle des Außenseiters.
Ist der Verantwortliche gefunden, so muss auch dieser zur Rechenschaft gezogen werden. Der Lehrer oder die Lehrerin sollte entsprechende Gespräche führen und die Eltern informieren. Zu Hause haben die Eltern ihrerseits die Aufgabe herauszufinden, worin die Ursachen für das Verhalten ihres Kindes liegen. Dem mobbenden Kind müssen ganz klare Grenzen aufgezeigt werden und es muss verstehen, dass sein Verhalten nicht akzeptiert wird und das anderenfalls Konsequenzen drohen.