Mobbing ist ein häufiges Problem in Schulen. Inzwischen wird nahezu jeder dritte Schüler zum Mobbingopfer. Die Schuldigen unterscheiden in der Regel nicht, ob sie sich in einer Grundschule, Hauptschule, Realschule oder ein Gymnasium aufhalten. Mobbingtäter und ihre Opfer finden sich grundsätzlich überall. Was ist unter Schulmobbing zu verstehen und wie lässt sich das Problem lösen? Dieser Artikel beschreibt die Ursachen, Umstände, Strafbarkeit und Strategien zur Konfliktlösung im schulischen Umfeld.

 

Schulmobbing verstehen: Was ist das?

Der Begriff entstammt zunächst der englischen Sprache. Hier bedeutet der “mob” vor allem “Meute”. Das Verb “to mob” ist gleichzusetzen mit pöbeln oder schikanieren. Insofern ist der Psychoterror im schulischen Umfeld vorrangig ein Problem, dass sich auf Betroffene psychisch ebenso auswirkt wie physisch. Dabei ist es wichtig, zu erkennen, wann es sich um echte Schikane handelt und wann es lediglich eine Meinungsverschiedenheit unter Klassenkameraden ist.

In jüngeren Jahrgängen äußert sich die Schikane verstärkt als Hänselei und Beschimpfung bis hin zur sozialen Ausgrenzung. Bei älteren Jugendlichen verlagert sich der Psychoterror in der Schule oft in den Bereich des Cyber-Mobbings. Speziell in den letzten Jahren hat der Anteil daran zugenommen, da die meisten Schüler und Schülerinnen ein Handy bzw. Smartphone besitzen und digitale Angebote im Internet nutzen. Soziale Netzwerke sind in diesen Fällen oft ein Eingangstor, um außerhalb des schulischen Umfelds zum Täter zu werden.

 

Bullying – der einzelne Tyrann

Während Mobbing ein Phänomen ist, das sich vorrangig als Psychoterror durch eine Gruppe (aber auch durch Einzeltäter) darstellt, liegt die Sachlage beim sog. Bullying in einem ähnlich gelagerten Handlungsspektrum. Beide Begriffe kommen oft synonym zum Einsatz. In beiden Fällen ist von einer Form der Schikane die Rede, die über längere Zeit anhält und wiederholt auftritt. Das Bullying bezieht sich im Regelfall jedoch auf einen Akteur – dem klassischen Tyrannen, der Schwächere terrorisiert. Beim Schulmobbing treten im Gegensatz dazu eher Gruppen auf, die sich gegen Einzelne verschwören.

 

Formen der Schulschikane

Schläge, Tritte, Prügeleien und dergleichen können eine Form des Terrors unter Jugendlichen an Schulen sein. Physische Angriffe, Ziehen an Haaren oder Auflauern nach dem Unterricht, stellen Methoden dar, bei denen Schwächere verletzt werden sollen.

Beschimpfungen, das Vergeben von beleidigenden Spitznamen oder das Hänseln (Bodyshaming) sollen dagegen psychisch verletzen. Die Folgen sind weitreichend, da die Schikane systematisch das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein untergräbt. In jedem Fall werden Betroffene sozial niedergemacht und isoliert, um sie seelisch klein zu halten.

Zuletzt existiert das relationale Spektrum. Hier werden Opfer im gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Umfeld angegriffen. Die Beziehungen zu Freunden und Mitschülern werden systematisch schlussendlich zerstört. Dabei untergliedert sich das Ganze zwischen der Ignoranz gegenüber dem ausgesuchten Opfer und dem bewussten Ausschluss aus einem bestehenden Gruppengefüge.

Um ein Mobbingopfer zu erkennen, lassen sich verschiedene Anhaltspunkte nutzen. Betroffene leiden oft unter den folgenden Problemen und Symptomen:

    • Bauch- oder Kopfschmerze
    • keine Lust, in die Schule zu gehen
    • blaue Flecken oder Prellungen
    • Schnittverletzungen (Selbstverletzungen, um den psychischen Druck besser aushalten zu können
    • Selbstisolation
    • Einsamkeit (die betroffene Person trifft sich außerhalb der Schule mit keinen oder auffällig wenigen Freunden)

Mobbingopfer und die Mobbingtäter: Wen betrifft es?

 

Im Allgemeinen sind Leidtragende in allen Jahrgängen und Schulformen zu finden. Auch das Geschlecht steht nicht einheitlich als zuverlässiges Indiz für die Schikane. Jungen wie Mädchen können betroffen sein – entweder als Mobbingopfer oder als Übeltäter. In sämtlichen Fällen ist es nicht immer leicht, eine Grenze zwischen einfachen Streitsituationen und eindeutig systematischen Psychoterror zu ziehen. Es gibt allerdings bestimmte Personentypen, die als Leidende und Schuldige gehäuft auftreten.

Mobbingopfer sind oft unter den folgenden Personen zu finden:

    • Kinder mit Lernstörungen oder einer verminderten Intelligenz
    • Verhaltensstörungen
    • gesundheitlich beeinträchtigte Kinder (z. B. Sprachstörungen, wie Stottern oder Lispeln; Epilepsie)
    • geringe Sozialkompetenz (z. B. schüchtern, ängstlich, aggressiv)
    • Merkmale, die als besonders und auffällig wahrgenommen werden (z. B. Brillenträger, Sommersprossen, Zahnspangenträger, schwerhörig, rote Haare
    • geringe Teamkompetenz (z. B. sog. “Heimkinder” mit schlechteren Fähigkeiten, in Teams zu arbeiten)Auch unter den Übeltätern gibt es spezifische Eigenheiten, die das Risiko erhöhen, psychisch/physisch zu misshandeln und zu terrorisieren:

    • autoritäres familiäres Umfeld (Gewalt als regulär genutzter Mechanismus innerhalb von Familien)
    • genetische Veranlagung zum aggressiven Verhalten
    • erhöhter Ehrgeiz, wobei das Wissen fehlt, wie die Ziele erreicht werden können, ohne anderen zu schaden (z. B. Sport, Leistungen im Unterricht, soziale Aktivität und Freizeitgestaltung)

Oft spielen bei psychischen und physischen Misshandlungen in der Schule diverse Ursachen eine Rolle. Dazu zählt insbesondere der Neid auf jene, die nicht der Norm entsprechen (im positiven wie im negativen Sinn). Außerdem entsteht Psychoterror oft aus Langeweile und Unzufriedenheit heraus. Aber auch eine verringerte Konfliktfähigkeit bei den Mobbingopfern kann solche misshandelnden Verhaltensweisen fördern.

Körperliche und seelische Misshandlungen in der Schule verhindern: So ist Hilfe möglich!

Um das Problem nachhaltig zu lösen, sind mehrere Etappen entscheidend. Die betroffenen Jungen und Mädchen, die aus einem intakten Familienkreis kommen, vertrauen sich häufig den eigenen Eltern oder Erziehungsberechtigten an.

Auch der Gang zur Lehrkraft kommt vor. Voraussetzung ist hierfür ein grundsätzlich positives, stärkendes Miteinander im Klassenverband, bei dem die Lehrkraft von der Schülergruppe geschätzt und respektiert wird.

Wenn alle Lösungsversuche gegen den Psychoterror nichts bringen, besteht immer noch die Option, rechtliche Schritte zu ergreifen. Die folgenden Abschnitte zeigen die Möglichkeiten, Schulmobbing zu verhindern und zu bekämpfen.

Das kann ein Lehrer oder eine Lehrerin tun!

Für Schullehrer und Schullehrerinnen steht die unterstützende und wertschätzende Kommunikation im Fokus der Präventionsmaßnahmen. Das Ziel besteht darin, ein wohlwollendes Gemeinschaftsgefühl unter den Schülergruppen zu erzeugen. Es treten mitunter aber auch Fehler im Umgang miteinander auf. Zum Beispiel tendieren manche Lehrkräfte dazu, die Schüler und Schülerinnen im Unterricht zu beschimpfen oder niederzumachen, indem sie persönliche Schwächen und Auffälligkeiten vor der ganzen Klasse ins Lächerliche ziehen. Solche Kommunikationsweisen sind unbedingt zu vermeiden.

Statt Betroffene der Lächerlichkeit preiszugeben, ist es wesentlich verträglicher, Freundschaften zu identifizieren und weiter zu fördern. In jedem Fall sollten Lehrkräfte Leidtragende unterstützen und ein helfendes Umfeld schaffen, um ggf. den Leidensdruck zu verringern. Schulleitungen können ebenfalls Maßnahmen gegen den Psychoterror ergreifen. Sie können bspw. Streitschlichterprogramme und Arbeitsgruppen, die wertschätzende Zusammenarbeit fördern, aufstellen. Externe Coaches, die für das Thema sensibilisieren, sind außerdem nützlich.

Wie erkennen Eltern das Problem und wie gelingt die Selbsthilfe?

Das Wichtigste im Kampf gegen Schulmobbing ist es, das Problem öffentlich anzusprechen. Zusätzlich profitieren Betroffene vom Üben schlagfertiger Antworten, die sie in Problemsituationen parat haben und den Konflikt dadurch abschwächen. Bei körperlichen Verletzungen helfen entsprechende Selbstverteidigungskurse. Das konsequente Training, um im Ernstfall das gelernte anwenden zu können, ist hierbei der Schlüssel zur Selbsthilfe.

Als Erziehungsberechtigte ist es ratsam, stets ein offenes Ohr zu haben und aufmerksam zuzuhören. Kinder sagen nicht immer direkt und frei heraus, wenn sie gehänselt oder geschlagen und ausgegrenzt werden. Deshalb ist die Anteilnahme an die Probleme der Sorgen und Nöte des Heranwachsenden wesentlich. Das Gespräch mit den zuständigen Lehrkräften und der Schulleitung kann hilfreich sein. Bleibt die Mobbingproblematik bestehen und findet sich keine Lösung, kann als allerletzter Ausweg ein Schulwechsel erwogen werden.

Rechtliche Mittel: Ist Psychoterror in Schulen strafbar?

Juristische Schritte sind erforderlich, wenn alle anderen Optionen keine Änderungen herbeiführten. Das gilt bspw., wenn Lehrkräfte oder die Schulleitung nichts unternommen haben, obwohl sie informiert waren. Grundsätzlich besteht während der Schulzeit eine Fürsorgepflicht der Schule für das Kind. Dementsprechend ist es denkbar, mit einem rechtlichen Fürsprecher (Anwälte) eine Unterlassungserklärung zivilrechtlich durchzusetzen. Das ist sogar schon in der Grundschule ab einem Alter des jeweiligen Mobbingtäters von 7 Jahren durchsetzfähig.

Wer bereits 14 Lebensjahre überschritten hat, kann als Jugendlicher nach dem Jugendstrafgesetz belangt werden. Dabei ist es wichtig, dass sich die Schuldigen ihrer Tat bewusst sind. Sie müssen also durchaus wissen, was sie da anrichten. Wer unter 14 ist und unbewusst tätlich aktiv wird, ist nicht haftbar.

Beim Schulmobbing sind vor allem der Tatbestand der Verleumdung (wie Beleidigungen, Gerüchte schüren, etc.) und Nötigung (z. B. Betroffene zu irgendwelchen selbstschädigenden Handlungen zwingen) relevant. Eltern haben außerdem die Option Schadensersatz einzuklagen, wenn die Schule trotz der Hinweise inaktiv bleibt und persönliches Eigentum beschädigt wurde (z. B. Beschmieren von Rucksäcken).

Fazit

Wenn Kinder andere Kinder hänseln und drangsalieren ist dies nicht immer harmlos. Schulmobbing ist ein ernstes Thema. Damit es nicht zu psychischen Folgen für Betroffene kommt, ist Aufklärung essenziell. Nur durch wirksame Aufklärungsarbeit, klaren Regeln und eine angemessene Kommunikation durch den Lehrer oder die Lehrerin lassen sich Täter in der Schulklasse vermeiden.

Workshops und Arbeitsgruppen, die sich konkret mit Konfliktsituationen im schulischen Umfeld beschäftigen, sind daher empfehlenswerte und wichtige Pfeiler einer guten Schule. Das gilt verstärkt für weiterführende Schulformen (Realschule, Hauptschule und Gymnasium). Aber auch in Grundschulen lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wenn ein Kind z. B. über Bauchweh klagt und nicht in die Schule gehen mag.